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Hildiid* & Deeqa* : “Das Einzige, was wir falsch gemacht haben, war, uns füreinander zu entscheiden”

May 20, 2026

Ihre Liebe wurde in Somalia nicht akzeptiert – Hildiid* und Deeqa* flohen gemeinsam, überlebten Haft und die Überfahrt über das Mittelmeer.

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Hildiid* & Deeqa* : “Das Einzige, was wir falsch gemacht haben, war, uns füreinander zu entscheiden”

Hildiid* & Deeqa*

May 20, 2026

Heimatland

Somalie

Rettungsdatum

May 1, 2026

Alter

21

Hildiid* und Deeqa* sind ein Ehepaar aus Somalia. Ihre Liebe wurde in ihren Gemeinschaften nicht akzeptiert, also blieb ihnen keine andere Wahl als eine gemeinsame Flucht. Gemeinsam ertrugen sie Gefangenschaften und die Flucht über das zentrale Mittelmeer. Sie wurden von der Ocean Viking schlussendlich aus Seenot gerettet. Derzeit erwarten die beiden ein Baby und freuen sich darauf, in Sicherheit eine Familie zu gründen.

Hildiid* ist 21 und gehört den Madhibaan an, einer Minderheitengruppe in Somalia. Seine Frau, Deeqa*, ist Mitglied der Mareexaan, eine der grössten und einflussreichsten Gruppen des Landes. Als sie beschlossen zu heiraten, wurde die Beziehung von ihren Gemeinschaften jedoch nicht akzeptiert. Der Grossteil von Deeqas* Familie lehnte sie ab, während Hildiid* schliesslich den Kontakt zu seiner eigenen Familie völlig verlor.

“Das Einzige, was wir falsch gemacht haben, war, uns füreinander zu entscheiden,” sagt er.  

Sie lernten sich vor etwa zweieinhalb Jahren in einer Cafeteria kennen und heirateten vor einem Jahr. Trotz der Diskriminierung in ihrem Umfeld beschlossen sie, zusammenzubleiben und zu versuchen, sich eine Zukunft aufzubauen. Für Deeqa* bedeutete das Aufwachsen in Somalia, mit Gewalt, Instabilität und Leid zu leben. Das waren keine Ausnahmen in ihrem Leben, sondern permanente Umstände. Selbst in den ruhigeren Zeiten verschwanden die Schwierigkeiten nie ganz. Ihre Mutter war die einzige Person in ihrer Familie, die sie unterstützte. Sie akzeptierte Hildiid*. Sie akzeptierte ihre Beziehung.

“Ich trage meine Mutter im Herzen immer bei mir”, sagt Deeqa*. “Wenn ich in Italien ankomme, werde ich versuchen, sie zu kontaktieren.”

Aufenthalt in Libyen

Als klar wurde, dass sie in Somalia nicht sicher leben konnten, weder als Paar noch als Familie, fassten Hildiid* und Deeqa* den Entschluss zu gehen. Sie verliessen das Land vor fünf Monaten, weil ein Verbleiben nicht mehr sicher war.

Das Paar reiste mit einem Auto von Somalia nach Libyen. Die Fahrt dauerte etwa 20 Tage. Die Bedingungen waren von Anfang an sehr hart und es gab keinen einzigen Moment, in dem es leichter wurde.  

Als sie in Libyen ankamen, wurden sie gemeinsam festgenommen und in ein grosses Gefangenenlager** in Kufra gebracht. Dort mussten sie vier Monate und zehn Tage blieben. Die Bedingungen waren extrem hart. Es kam zu Gewalt, einschliesslich Schlägen und weiteren körperlichen Misshandlungen. Hygiene gab es so gut wie gar nicht. Das Essen war knapp, und sie hatten keine Möglichkeit, mit jemandem ausserhalb Kontakt aufzunehmen.

Fahrt über das zentrale Mittelmeer

Während all dem war Deeqa* schwanger. Sie und Hildiid* stützten sich gegenseitig während der Haft**, auf der anschliessenden Reise und auch bei der Flucht über das Meer. Sie hatten Angst, besonders auf dem Wasser, aber sie gaben sich weiterhin gegenseitig Kraft.

“Während der Überfahrt über das Meer hatten wir Angst, aber wir gaben einander Kraft und Hoffnung. Wir dachten oft, wir würden sterben: Am ersten Tag füllte sich das Boot während eines Sturms mit Wasser, an den folgenden Tagen bekam das Boot ein Loch und das Wasser drang ein. Da dachten wir, wir hätten kaum noch eine Chance.”

“Wir hatten weder Essen noch Wasser, und die Sonne brannte den ganzen Tag über sehr stark. Ich habe mir das Gesicht in der Sonne verbrannt und mir ist Benzin in die Haare gelaufen, weshalb ich sie kurz schneiden musste. Als wir schliesslich auf See gerettet wurden, fühlten wir uns endlich in Sicherheit”, erzählt Deeqa*.

Heute denkt Deeqa* vor allem an ihre Mutter. Sie vermisst sie jeden Tag und hofft, bald einen Weg zu finden, wieder mit ihr in Kontakt zu treten. Mehr als alles andere hoffen sie und Hildiid* nun auf Stabilität, auf einen sicheren Ort, an dem sie ihr Kind grossziehen können. Sie haben bereits bewiesen, dass sie das Schlimmste überstehen können. Jetzt wollen sie einfach nur die Chance, zu leben.

*Namen wurden zum Schutz der Überlebenden geändert.

** Überlebende sprechen oft von "Gefängnissen", wenn sie über informelle Haftanstalten sprechen.

Crédits photos : Marie Tihon / SOS MEDITERRANEE

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