Vom 28. März bis 5. April 2026 kam es im Mittelmeer zu mehr als 180 vermeidbaren Todesfällen.
Über 180 Tote in der Osterwoche – SOS MEDITERRANEE fordert Rechenschaftspflicht
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Vom 28. März bis 5. April 2026 kam es im Mittelmeer zu mehr als 180 vermeidbaren Todesfällen. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Todesopfer allein im Jahr 2026 auf etwa 1.000 Menschen. Es ist der tödlichste Jahresbeginn seit Start der Aufzeichnungen.
In der vergangenen Woche kam es im Mittelmeer zu mehr als 180 vermeidbaren Todesfällen, wodurch sich die Gesamtzahl der Todesopfer allein in 2026 auf fast 1.000 Menschen beläuft. Es ist der tödlichste Jahresbeginn seit Start der Aufzeichnungen.
Diese erschütternde und unfassbare Realität ist das direkte Ergebnis einer jahrzehntelangen europäischen Politik, die darauf abzielt, Menschen, die das Mittelmeer überqueren, jegliche Hilfe und Rettungsmittel vorzuenthalten und dabei bewusst die Augen vor ihren Rechten und ihrem Schutz zu verschliessen. Dies geht laut Soazic Dupuy, Einsatzleiterin bei SOS MEDITERRANEE, eindeutig aus den tödlichen Ereignissen der letzten Tage hervor.
Osterwoche 2026: Über 180 Todesfälle im Mittelmeer
Über das Osterwochenende wurden mehr als 80 Menschen vermisst oder sind vermutlich ums Leben gekommen, nachdem am Sonntag ein Holzboot im zentralen Mittelmeer gekentert war. Dies ist kein Einzelfall. Allein innerhalb einer Woche – vom 28. März bis zum 5. April – haben schätzungsweise mehr als 100 Menschen bei dem Versuch, diese Überfahrt zu bewältigen, ihr Leben verloren. Über alle Mittelmeerrouten hinweg dürfte die Zahl der Todesopfer in diesem Zeitraum noch deutlich höher sein.
Am 5. April kenterte ein aus Libyen stammendes Holzboot, wobei etwa 80 Menschen ums Leben kamen. 32 Überlebende wurden von Handelsschiffen gerettet. Wenige Tage zuvor, am 1. April, barg die italienische Küstenwache südlich von Lampedusa 19 Leichen und rettete 58 Menschen aus einem Schlauchboot. Am 29. März forderte ein weiterer Schiffbruch vor Tunesien 19 Todesopfer und 21 Vermisste, wobei nur 16 Personen überlebten. Auf der östlichen Mittelmeerroute starben am 26. März 22 Menschen vor Kreta, nachdem sie sechs Tage lang auf See getrieben waren, und am 1. April starben 19 afghanische Staatsangehörige, darunter ein Baby, vor Bodrum in der Türkei.
Politische Entscheidungen statt Unglück – SOS MEDITERRANEE fordert Rechenschaft
„Das sind keine tragischen Unglücksfälle. Es ist das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen, durch die staatlich organisierte Such- und Rettungsmassnahmen abgebaut, Hilfsmassnahmen durch Abschreckung und Eindämmung ersetzt wurden und die Verantwortung auf Akteure verlagert wurde, die nicht in der Lage oder nicht willens sind, internationale Verpflichtungen einzuhalten. Das Ergebnis ist ein maritimer Raum, in dem Notfälle zwar erkannt, aber ignoriert werden, Rettung zwar möglich ist, aber keine Priorität hat und Todesfälle auf See als akzeptable Folge dieser Politik behandelt werden“, fügt Soazic Dupuy im Namen von SOS MEDITERRANEE hinzu.
„Diese von Menschen geschaffene Realität“, so die Sprecherin der zivilen Such- und Rettungsorganisation abschliessend, „kann sich ändern: Wir fordern, dass die Staaten ihrer gesetzlichen Pflicht nachkommen und einen staatlich geführten Such- und Rettungsmechanismus im zentralen Mittelmeer wiederherstellen. Die italienische Regierung soll ihre Behinderung der von NGOs geleiteten Such- und Rettungsmassnahmen beenden, indem sie Gesetze aufhebt, die willkürliche Festsetzungen gegen Schiffe ermöglichen. Vor allem aber muss das, was im Mittelmeer geschieht, zur Rechenschaftspflicht führen: Alle Fälle möglicher unterlassener Hilfeleistung, einschliesslich der dokumentierten Vorfälle von Ende März bis Anfang April, müssen unabhängig untersucht werden. Die Mittel, um diese Todesfälle zu verhindern, sind vorhanden; diese Entwicklung umzukehren ist eine Frage des politischen Willens, der rechtlichen Verpflichtung und der moralischen Verantwortung.“
Fotocredit: Tess Barthes/ SOS MEDITERRANEE
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